Vieles geht heute schnell und gleicht sich an - das Handgemachte nicht. Dieser Blog ist ein Ort für das Echte, das Greifbare, das Eigene – für kleine Werke mit Charakter und die Gedanken, Reisen und Einfälle, aus denen sie entstehen. Dieser Blog ist für alle, die das Langsame, das Selbstgemachte und ein bisschen Magie im Alltag lieben.

Letzte Beiträge:


Kategorie: Die Geschichte

  • Mount Cook Stickmuster

    Mount Cook Stickmuster

    Ein rundum gelungener Tag in Aoraki / Mount Cook

    Werbung – dieser Beitrag entstand im Rahmen des Creator-Programms von Crazypatterns.

    Vor 11 Jahren bin ich als Work and Traveler durch Neuseeland gereist. Mount Cook – oder Aoraki, wie er auf Māori heißt – war eine der Stationen, die mich so sehr gepackt haben, dass ich mehr als einmal dort war. Der Tag, an dem dieses Stickmuster entstanden ist, war nochmals ganz besonders. Ich war zusammen mit meinem Partner dort, den ich ebenfalls in Neuseeland kennengelernt hatte. Für ihn war es der erste Besuch und für mich schon der zweite. Dennoch war dieser Tag, den wir im Rahmen eines Roadtrips mit unserem Campervan dort verbracht haben, komplett anders.

    Stickmuster Mount Cook

    Wir waren sehr spontan unterwegs und für alles offen. Zuerst haben wir das Mount Cook Visitor Center besucht, das wirklich gut aufgebaut ist. Allein vom Visitor Center hat man einen fantastischen Blick auf den Mount Cook. Dort haben wir uns auch über die Wanderwege informiert, die es in der Umgebung gibt, alle unter drei Stunden.

    Am Ende sind es drei Wanderungen geworden: den Hooker Valley Track, Kea Point, und den Tasman Glacier View Track. Genau auf dem Hooker Valley Track ist auch das Foto entstanden, das ich für dieses Stickmuster verwendet habe. Der Wanderweg, der zum Gletschersee führt, mit dem Mount Cook auf der anderen Seite. Ich habe dieses Motiv gewählt, weil es zum einen eine fast perfekte Symmetrie hat, und zum anderen, weil der Berg von dieser Seite kaum verdeckt wird und so majestätisch herausragt.

    Stickerei Mount Cook

    Sterne gucken am Mount Cook

    Der Abend wurde dann völlig spontan zum eigentlichen Höhepunkt des Tages. Wir sind zu Fuß zum Hermitage Hotel gelaufen, da wirklich alles gut erreichbar, wenn man einigermaßen fit ist. Im Hotel haben wir an einem Dinner-Buffet teilgenommen. Danach – ebenfalls spontan, haben wir uns für die Planetarium-Show im Hotel entschieden. Dort haben wir die Sternenkonstellation des Southern Cross kennengelernt, bevor es im Anschluss mit der Big-Sky-Stargazing-Erfahrung weiterging: mit Teleskopen direkt unter dem Aoraki Mackenzie Dark Sky Reserve, dem größten Dark-Sky-Gebiet der Welt.

    Das war einer der schönsten Abende, den ich je hatte. Es war so magisch. Ich hatte die Milchstraße vorher nie so intensiv gesehen wie in dieser Nacht. Mir war der Begriff „Milchstraße“ davor auch gar nicht richtig bewusst. In Deutschland sieht man ja meist nur eine leichte Ansammlung von Sternen. In Neuseeland hat sie ihrem Namen wirklich alle Ehre gemacht.

    Bis heute denke ich oft an diesen Tag zurück, wenn ich an Neuseeland denke. Nicht nur, weil die Landschaft so beeindruckend war, sondern weil einfach alles zusammenkam: die Wanderungen, die Spontanität, dieser Abend unter dem klarsten Sternenhimmel, den ich je gesehen habe. Falls du diesen besonderen Ort auch sticken möchtest, findest du das vollständige Stickmuster auf Crazypatterns. Ich wünsche dir viel Freude dabei, diesen Tag mit Nadel und Faden nachzuempfinden.

    Mount Cook Neuseeland

    Und willst du mir zur Geschichte meiner anderen Werke erfahren, dann schau mal hier.

  • Milford Sound Stickmuster – die Geschichte hinter meinem Sehnsuchtsort

    Milford Sound Stickmuster – die Geschichte hinter meinem Sehnsuchtsort

    Es gibt Orte, die vergisst man nie wieder. Für mich ist der Milford Sound in Neuseeland so ein Ort. Mein Sehnsuchtsort, ehrlich gesagt.

    Milford Sound

    Das Foto, das ich später zu einem Stickmuster gemacht habe, ist auf einem Roadtrip entstanden. Ein Freund aus Deutschland hatte nach einem Telefonat spontan beschlossen, mich im nächsten Monat in Neuseeland zu besuchen. Er ist leidenschaftlicher Vogelbeobachter und hat sich dort entsprechend wohlgefühlt.

    Vögel Neuseeland

    Wir sind beide mit unseren Spiegelreflexkameras durch die Gegend gezogen und haben fotografiert, was das Zeug hielt.

    Fotografin Judith

    Am Milford Sound habe ich dann aber irgendwann die Kamera weggelegt. Das Foto war längst im Kasten, und trotzdem bin ich noch lange einfach dort sitzen geblieben. Es war ruhig. Nicht viele Touristen, nur ab und zu eine Propellermaschine, der Leute zum Sightseeing über den Fjord flog. Ansonsten hörte man Wasservögel plätschern, ein paar Boote in der Ferne und hin und wieder einen Fisch, der an die Oberfläche kam. Das Licht in Neuseeland ist anders als bei uns – irgendwie heller, klarer. Der Himmel war strahlend blau, und das Wasser hat in der Sonne gefunkelt. Ich habe tiefe Ruhe gespürt, Freude, Ausgeglichenheit. Diesen Moment habe ich einfach auf mich wirken lassen.

    Flugzeuge über dem Milford Sound

    Warum Neuseeland mir Geborgenheit gibt

    Neuseeland gibt mir bis heute ein Gefühl von Geborgenheit, das ich schwer in Worte fassen kann. Es hat viel mit der Natur zu tun – und damit, dass das Land nicht so überladen ist von Menschen wie Europa oder die USA. Ein Samstag in der Innenstadt von Wellington fühlt sich an wie ein ganz normaler Wochentag in München. In München kann man samstags kaum einkaufen gehen, so voll ist es, alle drängeln sich. In Neuseeland ist selbst an bekannten Sehenswürdigkeiten und Touristenmagneten nicht dieses Gedränge, das man aus anderen Teilen der Welt kennt.

    Und da ist noch etwas: Neuseeland liegt für viele Menschen unglaublich weit weg, und es passiert dort selten etwas Großes. Sicher hat auch dieses Land seine eigenen Probleme, aber es steht mit keinem anderen im Konflikt. Es ist eines der ersten Länder, das jeden neuen Tag begrüßt – und trotzdem hört man kaum je Nachrichten von dort. Stell dir mal vor, die USA wären das erste Land, das den Tag beginnt. Wie viele Neuigkeiten lägen dann schon auf dem Tisch, wenn wir in Europa aufwachen und die Morgennachrichten hören. Diese Stille, dieses Unaufgeregte, hat für mich etwas zutiefst Beruhigendes.

    Ruhe und Frieden

    Wie aus der Reise eine Stickerei wurde

    Nach meiner Zeit in Neuseeland habe ich noch jahrelang täglich an das Land gedacht. Ich habe es wirklich vermisst. Wann genau der Entschluss kam, meine Reisefotos zu sticken, weiß ich gar nicht mehr – die Idee war irgendwann einfach da. Ich glaube, ich wollte meine Reisen auf eine andere Art noch einmal erleben, und so entschied ich mich, meine schönsten Reisefotos zu sticken. Neuseeland war dabei ganz vorne mit dabei, und dieses eine Foto vom Milford Sound sowieso.

    So ist das Milford-Sound-Stickmuster entstanden – mit den emporragenden Bergen, dem funkelnden Wasser und den Steinen am Ufer. Ich habe versucht, genau das einzufangen, was ich an jenem Tag am Ufer gespürt habe.

    Milford Sound Stickerei

    Bis heute war ich leider nicht mehr dort. Aber mein Partner – den ich übrigens damals in Neuseeland kennengelernt habe – und ich haben fest vor, irgendwann zurückzukehren. Vielleicht, wenn unsere Tochter etwas älter ist und so eine Reise zu schätzen weiß. Und ganz ehrlich: Ich träume regelmäßig davon, dass wir eines Tages ganz dorthin ziehen.

    Falls du diesen besonderen Ort auch sticken möchtest, findest du das vollständige Stickmuster in meinem Etsy-Shop. Ich wünsche dir viel Freude dabei, diesen besonderen Ort mit Nadel und Faden entstehen zu lassen.

    Milford Sound Stickerei
  • Verzeifelte, sich festkrallende Katzen am Kühlschrank?

    Verzeifelte, sich festkrallende Katzen am Kühlschrank?

    Die Geschichte, wie es dazu kam

    Neulich habe ich in meinem neuen Etsy Shop eine neue Produktreihe veröffentlicht: Kühlschrankmagnete in Form von Katzen, die sich festkrallen, um nicht herunterzufallen.

    Wenn du sie auch so witzig findest wie ich, lies dir diese Geschichte zu ihnen durch.

    Ich liebe Katzen. Schon immer. Als ich noch bei meinen Eltern lebte, hatten wir immer eine oder mehrere Katzen im Haus. Das war so normal, wie für andere ein Auto vor der Tür.
    Alle waren was Besonderes aber unsere letzten beiden haben mir besonders viel bedeutet: Kitty und Napoleon.

    Die Geschichte von Napo und Kitty

    Napoleon (Kurzform: Napo) haben wir so genannt, weil er unsere Herzen gleich im Sturm erobert hatte. Er war so lieb, drollig und tollpatschig, dass man einfach keine Chance hatte, nicht sofort verfallen zu sein. Kitty war da ganz anders. Sie lief immer sehr elegant durchs Haus, wusste genau was sie wollte und wie sie es bekommt. Deshalb haben wir sie manchmal auch „Lady“ genannt. Ihr Fell war ein buntes Durcheinander aus Beige, Rot, Braun und Rosa. Napos Fell war grau-weiß-gestreift. Obwohl es Geschwister waren, war ihre Fellfarbe so unterschiedlich. Das hat mich schon immer am meisten an Katzen fasziniert.

    Zusammen haben die beiden uns – meine Eltern, mich und meinen damaligen Freund, täglich auf Trab gehalten. Sie haben uns meistens sehr zum Lachen gebracht und manchmal auch zur Verzweiflung getrieben, wenn sie wie verrückt durch die Wohnung getollt sind. Wer schon mal zwei Katzen zusammen hatte, weiß, wovon ich rede.

    Leider sind beide mittlerweile gestorben. Napoleon ist als junger Kater von einem Auto überfahren worden. Er war zu dem Zeitpunkt rollig und seine Hormone haben ihn etwas unvorsichtiger werden lassen, als es gut für ihn war. Kitty ist Jahre später ebenfalls von einem Auto erfasst worden.
    Ich war zu dem Zeitpunkt im Studium, über 700 km von zu Hause entfernt, und hatte in dieser Zeit kaum Gelegenheit gehabt, Zeit mit ihr zu verbringen. Meine Eltern haben mir ihren Tod erst etwas später erzählt, um mich nicht vom Lernen abzuhalten. Das war echt schlimm für uns. Meine Eltern haben sich danach gegen das Halten von Katzen entschieden, weil der Verlust jedes Mal zu groß war.

    Die Idee für diese Kühlschrankmagnete

    Seitdem lebe auch ich ohne Katze. Aber die Zuneigung zu Tieren ist geblieben. Eigentlich zu allem, was Pfoten hat und mit so viel Charakter durchs Leben stapft, dass man sich manchmal fragt, wie ein so kleines Wesen so viel Raum einnehmen kann.

    Irgendwann bin ich auf Pinterest auf ein Motiv gestoßen: eine Katze, die sich mit ausgestreckten Pfoten an etwas festkrallt und dabei schaut, als wäre es eine Frage von Leben und Tod. Den typischen Gesichtsausdruck, den jeder kennt, der je mit einer Katze zusammengelebt hat oder sich einfach genug Katzen-Content im Web anschaut. 😄
    Ich habe auf jeden Fall sofort an meine beiden Chaoten gedacht und musste diese Katzen unbedingt aus Ton nachbauen.

    Herausforderungen beim Modellieren

    Das Herausforderndste war weniger das Motiv an sich, sondern das Plastische: die angewinkelten Hinterbeine, der angespannte Körper, der wirklich so wirken musste, als würde die Katze sich festkrallen. Ich habe einfach so lange herumprobiert, bis es gepasst hat. Bei den Farben habe ich mich nicht lange aufgehalten – Katzen gibt es ja in allen möglichen Farben und Mustern, also habe ich einfach nach Lust und Laune gemacht. Dabei habe ich bestimmt viel an Napo und Kitty gedacht …

    Das ist also die Geschichte hinter diesen lustigen Kühlschrankmagneten. Wenn du also selbst eine Katze hast und genau weißt, wie dieser Moment aussieht, oder jemanden beschenken möchtest, der Katzen liebt, oder einfach morgens beim Kühlschranköffnen ein Lächeln brauchst – dann sind diese kleinen Magnete genau richtig für dich! 😄

    Und hier findest du sie in meinem Etsy Shop.

    Festkrallende Katzen als Kühlschrankmagnete
  • Die zwei Monster, die ich für meine Neffen nähte

    Die zwei Monster, die ich für meine Neffen nähte

    Werbung – dieser Beitrag entstand im Rahmen des Creator-Programms von Crazypatterns.

    Als ich diese beiden Monster genäht hatte, hatte ich selbst noch kein Kind. Zu der Zeit verbrachte ich viel Zeit mit meinem kleinen Neffen Ben – er war damals etwa fünf Jahre alt, sein älterer Halbbruder Luca ungefähr sieben. Luca lebte bei seiner Mutter, schon damals weit weg von uns. Der Kontakt zu ihm bzw. zu seiner Familie, bei der er wohnte, war nie besonders eng. Rückblickend ist das schade, aber das Leben ist manchmal komplizierter, als man es in wenigen Worten erklären kann. Dennoch dachte ich oft an ihn und daher waren die beiden, Ben und Luca, meine Inspiration für diese Monster und ihre Namen.

    Türstopper Monster

    Ich nähte also zwei süße Monster. Das, welches ich Ben nannte, bekam auch tatsächlich Ben. Das Monster mit dem Namen Luca haben meine Eltern adoptiert.

    Ben hat sich damals riesig gefreut – allerdings hat er es nicht ganz so genutzt, wie ich es geplant hatte. Statt es als Türstopper zu benutzen, nahm er es erstmal mit zum Kuscheln ins Bett. 😊
    Später irgendwann, hat er es dann tatsächlich auch als Türstopper verwendet. Wie auch immer er es verwendet hatte, es hat ihm Freude bereitet und das war für mich das Wichtigste.

    Wie ging es mit den Monstern weiter?

    Was letzten Endes aus Bens Monster geworden ist, weiß ich nicht. Ich habe es noch einige Zeit bei einem Besuch in seiner Wohnung gesehen. Aber irgendwann verliert man solche Dinge ja aus den Augen, gerade wenn aus kleinen Jungs langsam Teenager werden. Die haben ja ganz andere Dinge im Kopf und in ihrem Zimmer.

    Das Monster meiner Eltern dagegen hat ein deutlich beständigeres Leben. Es steht bis heute bei ihnen im Wohnzimmer, direkt an der Tür – und wird tatsächlich noch als Türstopper benutzt. All die Jahre, in denen Ben vom Kindergartenkind zum Teenager wurde, hat dieses kleine Monster mit dem Namen seines Halbbruders treu seinen Posten gehalten.

    Und während das kleine Monster all die Jahre an seinem Platz blieb, hat sich der Kontakt zum echten Luca inzwischen zum Glück verändert. Er sucht mittlerweile von sich aus den Kontakt und besucht uns ab und an. Und wenn er da ist, merkt man, dass er es von ganzem Herzen will und die Zeit mit uns sehr genießt – und wir natürlich mit ihm. Vielleicht trägt das kleine Monster mit seinem Namen ein gutes Omen in sich und sorgte all die Jahre dafür, dass der Kontakt allmählich wieder aufleben konnte.

    Ich frage mich auch manchmal, was wohl aus dem Ben-Monster geworden ist? Vielleicht liegt es noch irgendwo in einer Kiste, aussortiert, als die Kinderzimmer-Deko langsam Jugendzimmer-Deko wurde? Vielleicht ist es längst nicht mehr da? Oder – und das ist die Version, die mir am besten gefällt – es liegt gerade jetzt irgendwo zwischen Umzugskartons, denn Ben und seine Familie ziehen bald in ein neues Haus.

    Wie geht es mir damit heute?

    Wenn ich heute auf diese Zeit zurückblicke, ist da keine Wehmut, eher ein leichtes, warmes Gefühl. Ich hatte damals noch keine eigene Tochter, aber der Drang, mit den Händen etwas zu erschaffen, das jemandem Freude macht, war immer schon da. Und vielleicht ist genau das der Grund warum diese Anleitung bis heute so gut funktioniert: Die Anleitung entstand aus echter Zuneigung zu zwei kleinen Jungs, deren Wege mit uns ganz unterschiedlich verlaufen sind und sich doch beide auf ihre eigene, schöne Art entwickelt haben.

    Falls du also Lust bekommen hast, dir oder jemandem in deinem Leben ein eigenes kleines Monster zu nähen: Die vollständige Anleitung mit Schnittmuster für beide Monster, Luca und Ben, findest du als Anleitung auf Crazypatterns. Ein einfaches, liebevolles Geschenk, das offenbar bei vielen Kindern ankommt, genau wie damals bei Ben.

    Hier erfährst du die Geschichte über das Taj Mahal Stickmuster:

    Und hier kannst du die Geschichte zum Milford Sound Stickmuster lesen:

  • Abschied vom Schnuller – und eine Fee, die über Nacht entstand

    Abschied vom Schnuller – und eine Fee, die über Nacht entstand

    Die Geschichte mit dem Schnuller war für uns sehr langwierig.
    Eigentlich wollte ich, dass meine Tochter ihn schon mit zwei Jahren abgibt. Wir haben wirklich alles versucht: den Schnullerbaum, das Abgeben an den Weihnachtsmann, oder an den Osterhasen… nichts davon hat funktioniert. Irgendwann hatte ich das Buch „Hallo, kleine Schnullerfee“ von Ravensburger gekauft und las es ihr immer wieder vor – die Geschichte von der Fee Lulu, die dem kleinen Mats hilft, auch ohne Schnuller einzuschlafen.

    Hallo, kleine Schnullerfee

    Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass es das Buch war, das den Ausschlag gab, um den Schnuller abzugeben. Sie hat das Nuckeln einfach nach und nach reduziert, weil sie älter wurde. Irgendwann brauchte sie den Schnuller nur noch nachts, manchmal wirklich nur zum Einschlafen.

    Und dann, vor ein paar Wochen, wollte sie das Buch wieder ganz intensiv vorgelesen bekommen. Mittendrin sagte sie plötzlich, dass sie auch möchte, dass die Schnullerfee zu ihr kommt und ihr ein Geschenk bringt. Ich sagte ihr, sie solle mir einfach Bescheid geben, wenn sie so weit ist. Ein paar Tage hörte ich nichts. Und dann, an einem ganz normalen Abend, war es plötzlich so weit: Heute, hatte sie gesagt, heute gebe ich alle drei verbliebenen Nuckel ab. Und weil es drei Schnuller sind, möchte sie auch drei Geschenke.
    Da wollte ich gar nicht diskutieren – das fand ich nur fair. Es gab nur ein kleines Problem: Ich hatte bloß zwei kleine Geschenke daheim. Für das dritte musste ich mir also über den Abend hin etwas überlegen.

    Wenn die Idee einmal da ist, muss sie sofort umgesetzt werden

    Und genau in diesem Moment passierte das, was bei mir eigentlich immer passiert: Mir schwirrten sofort die Ideen durch den Kopf: Ich könnte doch eine kleine Lulu basteln – die Schnullerfee aus ihrem Buch, in Miniatur. Ein bisschen nervös war ich schon, denn die Zeit war knapp. Also sorgte ich dafür, dass meine Tochter zeitig ins Bett kam, und gegen acht Uhr abends setzte ich mich an den Tisch.

    Material hatte ich zum Glück alles da: Filz, Pfeifenreiniger, eine Holzkugel, Nadel und Faden… Ich wusste ziemlich genau, wie ich sie bauen wollte. Nur die Flügel machten mir zu schaffen. Erst versuchte ich es mit Papier, aber das wollte nicht gelingen. Also googelte ich – und stieß auf Instagram auf eine schöne Idee mit Frischhaltefolie und Föhn. Eigentlich war die für große Feenflügel an Kostümen gedacht, gemacht mit Draht und Folie. Ich musste es für meine kleine Lulu abwandeln: Ich schnitt die Flügel aus Papier aus, bemalte sie bunt, streute Glitzer drüber (ganz wichtig!), wickelte Frischhaltefolie darüber und schmolz sie mit dem Föhn so an, dass sie fest wurde. Das Ergebnis war, ehrlich gesagt, eher mäßig. Aber im Gesamtbild fiel das nicht weiter auf. Nach etwa zweieinhalb Stunden war meine kleine Lulu fertig.

    Schnullerfee selsbt gebastelt
    Schnullerfee selsbt gebastelt

    Der Morgen danach

    Am nächsten Morgen kam der Moment, für den ich das alles gemacht hatte. Meine Tochter fand ihre drei Geschenke – und sie erkannte die kleine Fee sofort. Lulu! Sie war restlos begeistert und hat keine Sekunde daran gezweifelt, dass die Fee aus ihrem Buch sie tatsächlich besucht hatte. Den ganzen Morgen spielte sie mit ihrer Miniatur-Lulu, und sie wünschte sich sogar, dass ich die Fee am Nachmittag mitbringe, wenn ich sie von der Kita abhole.

    Genau dieses Gesicht – das war der Grund, warum ich mich abends noch hingesetzt hatte. Ich hätte es einfacher haben können, klar, aber ich wollte ihr diese Freude machen, ich wollte sehen, wie sie strahlt, wenn plötzlich eine kleine Lulu in ihrer Geschenkbox liegt.

    Und wenn ich ehrlich bin, ist das ziemlich typisch für mich: Ich bin schnell für eine Idee zu begeistern und muss sie dann auch sofort umsetzen – sonst verliere ich das Interesse wieder. Diese Eigenschaft sorgt zu Hause durchaus für das eine oder andere unvollendete Projekt. Aber in dieser Nacht hat sie etwas Schönes hervorgebracht: einen kleinen Zauber, der genau im richtigen Moment fertig wurde. Und ich war ein bisschen stolz auf mich, dass es (fast) so geworden ist, wie ich es mir ausgemalt hatte.

    Ich hoffe, dir hat diese kleine Geschichte gefallen. Vielleicht dient sie dir als Inspiration für deine eigenen kleinen spontanen Projekte, vielleicht zaubert sie dir auch einfach nur ein Lächeln in Gesicht … was es auch ist, ich freue mich, dass ich dir davon berichten konnte. 🙂

  • Sticktechnik Wickelstich lernen

    Sticktechnik Wickelstich lernen

    Für tierisch süße Locken

    Vor einigen Jahren unternahm ich einen Roadtrip durch Island. Unterwegs habe ich unter anderem ein süßes Schaf-Pärchen fotografiert – diese zwei wolligen Gesellen haben es mir sofort angetan.

    Schafe auf Island

    Neulich habe ich die beiden dann nachgestickt, mithilfe eines sogenannten Wickelstichs. Und das ist dabei herausgekommen:

    Wickelstich fertig

    Sieht schön flauschig aus, oder? Genau dafür ist dieser Stich nämlich perfekt. In diesem Beitrag zeige ich dir, wie du den Wickelstich (englisch: Bullion Knot) selbst hinbekommst. Keine Sorge – wenn du den Dreh einmal raushast, ist er gar nicht so schwer. Es kommt nur auf die richtige Technik an.

    Wie der Wickelstich funktioniert

    Das Wichtigste zuerst: Dein Faden sollte großzügig lang sein, denn er wird gleich mehrfach um die Nadel gewickelt. Wie lang du den Stich am Ende machst, bleibt dir überlassen – außer der Länge deiner Nadel sind dir da kaum Grenzen gesetzt.

    So gehst du vor: Mach zunächst einen Knoten ans Fadenende. Dann stichst du an der Stelle aus, an der der Wickelstich enden soll (A) – nicht dort, wo er anfängt. Anschließend stichst du an der Stelle ein, an der er beginnen soll (B), und kommst direkt wieder in der Nähe von A heraus (C). Die Nadel ziehst du dabei aber noch nicht ganz durch. Jetzt wickelst du den Faden so oft um die Nadel, wie dein Wickelstich lang werden soll (D).

    Wickelstich -Anleitung

    Hast du die gewünschte Länge erreicht, ziehst du die Nadel vollständig durch. Jetzt ist ein wenig Zuppeln und Ziehen angesagt: Rücke den Faden so zurecht, dass am Ende eine gleichmäßige, saubere Wicklung entsteht.

    Zum Schluss stichst du direkt neben B ein, um den Wickelstich zu fixieren. Und das war’s auch schon – fertig ist dein Wickelstich!

    Wickelstich -Anleitung

    Falls dir die Bilder-Anleitung an einer Stelle unklar ist, habe ich den Wickelstich auch noch einmal in einem kurzen Video festgehalten:

    Wofür sich der Wickelstich eignet

    Wie du an meinen Schafen siehst, ist dieser Stich ideal für alles Flauschige und Lockige: Schafsfell, Haare und Locken, aber auch Dinge wie die Rohrkolben von Schilfgras. Wenn du ihn einmal beherrschst, kannst du deinen Werken einen wunderbar plastischen, dreidimensionalen Effekt geben.

    Ein kleiner Trick für noch mehr Lockigkeit: Wickle den Faden länger, als die eigentliche Stichlänge ist. Dann dreht sich die „Locke“ stärker in sich – und wirkt noch verspielter.

    Schön kombinieren lässt sich der Wickelstich übrigens mit französischen Knoten dazwischen – das gibt dem Ganzen noch mal einen besonderen Touch.

    Ich hoffe, die Anleitung hilft dir weiter! Wenn du Fragen oder Anregungen hast, hinterlass mir gern einen Kommentar.

    Lust, den Wickelstich gleich auszuprobieren?

    Wenn du den Stich an einem richtigen Projekt anwenden möchtest, habe ich genau das Richtige: ein Stickbild vom Mount Cook in Neuseeland, bei dem der Wickelstich für die Vegetation zum Einsatz kommt. Das vollständige Stickmuster mit Schritt-für-Schritt-Anleitung findest du hier in meinen Anleitungen von Crazy-Patterns 

    Mount Cook Stickerei

  • Der Besuch des Taj Mahal

    Der Besuch des Taj Mahal

    Und wie es mich eines Besseren belehrt hatte

    Taj Mahal Original

    Werbung – dieser Beitrag entstand im Rahmen des Creator-Programms von Crazypatterns.

    Ich gebe es gleich zu Anfang zu: Ich wollte eigentlich gar nicht zum Taj Mahal. Das hat mich vorher irgendwie nie interessiert. Zu überlaufen, zu gehypt, dachte ich. So ein Ort, von dem alle schwärmen und vor dem sich Tausende für dasselbe Foto drängen – darauf hatte ich echt keine Lust. Also hatte ich mir innerlich schon zugesichert, dass ich enttäuscht sein werde. Offen gesagt war das ziemlich überheblich von mir.

    Diese Überheblichkeit hatte an dem Tag sogar ein Gesicht. Eine junge Inderin fragte mich freundlich, ob sie mit ihren beiden Freundinnen ein Foto mit mir machen dürfe. In Indien werden hellhäutige Menschen oft als etwas Exotisches angesehen. Schon vorher wurde ich gefragt, ob man mit mir ein Foto machen könne. Oder man wird beobachtet und angelächelt. Mich hat das an diesem Tag nur genervt und ich habe abgelehnt. Im Nachhinein schäme ich mich ein wenig dafür, dass ich so arrogant und überheblich war.

    Die Wendung – Ich vergesse dich nie

    Und dann kam der Moment, in dem das Taj Mahal mich langsam umgestimmt hat. Nicht mit seiner Größe, sondern eher mit seiner Geschichte. Ich erfuhr, dass der Großmogul Shah Jahan dieses Monument im 17. Jahrhundert für seine verstorbene Lieblingsfrau Mumtaz Mahal errichten ließ – als steinernen, unsterblichen Liebesbeweis. Der ganze Bau, komplett aus weißem Marmor, ist im Grunde ein gebautes „Ich vergesse dich nie“. Je länger ich darüber nachdachte, desto kleiner wurde meine anfängliche Arroganz.

    Auch der Besuch selbst hatte etwas, das ich nicht erwartet hatte. Man läuft nicht einfach hinein und wild umher. Bevor man das Taj Mahal betritt, zieht man blaue Plastiküberzieher über die Schuhe, und dann wird man auf einem festgelegten Weg durch das Bauwerk geleitet. Alle Besucher gehen denselben Weg. Es erinnerte mich daran, wie man durch einen indischen Tempel geführt wird. Diese Ehrfurcht, die in diesem geordneten Ablauf steckt, hat etwas mit mir gemacht. Man bummelt hier nicht, man wird Teil eines stillen Stroms von Menschen.

    Taj Mahal genießen

    Was mich dann endgültig eingefangen hat, waren zwei Dinge, die mir erst später auffielen. Zum einen die makellose Symmetrie: Das Taj Mahal ist so perfekt spiegelgleich gebaut, dass das Auge keinen Fehler findet. Zum anderen der Marmor selbst, der je nach Tageszeit seine Farbe wechselt: rosa am Morgen, strahlend weiß zur Mittagszeit, golden im Mondlicht. Ein Gebäude, das nie ganz gleich aussieht. Ich stand irgendwann einfach da und schaute, und von meiner Überheblichkeit fehlte nun jede Spur.

    Gegen Ende, im warmen Licht des beginnenden Sonnenuntergangs, wollten wir natürlich noch Familienfotos machen. Meine Tochter schlief da schon friedlich in der Trage. Mein Mann bat einen anderen Besucher, ein Bild von uns dreien zu machen, und ließ dabei ungesagt, dass das Taj Mahal selbstverständlich komplett mit auf das Bild sollte. Das verstand sich ja von selbst, schließlich war das ja der ganze Punkt des Tages. Der freundliche Fremde fotografierte uns tatsächlich perfekt, Goldener Schnitt – alles richtig. Nur hatte er die Türme des Taj Mahal großzügig abgeschnitten. Wir mussten beide so lachen, als wir das Bild später betrachteten. Manchmal bekommt man eben nicht das Postkartenmotiv, sondern eine Erinnerung mit Macke. Und die mag ich oft sogar lieber.

    Taj Mahal - Türme bgeschnitten

    Vom Foto zum Kunstwerk

    Dieser Tag hat sich bei mir festgesetzt. Nicht als das abgehakte Wahrzeichen, das ich erwartet hatte, sondern als kleine Lektion in Demut. Und irgendwann, zurück an meinem Stickrahmen, wollte ich genau das festhalten. Nicht ein Foto, von denen ich ohnehin Hunderte habe, sondern etwas, in das meine Hände Stunden hineinlegen. Etwas, das dieses wechselnde Licht des weißen Marmors und diese Symmetrie auf Stoff einfängt.

    Das war gar nicht so einfach, und ich will ehrlich sein: Zweimal habe ich die Stickerei wieder komplett aufgetrennt, weil mir das Ergebnis nicht gefiel. Ein weißes Marmorgebäude, das ständig die Farbe wechselt, in eine Stickerei zu übersetzen, ist eine echte Herausforderung. Erst beim dritten Anlauf fand ich eine Methode, die die feinen Details so zur Geltung bringt, wie ich es mir vorgestellt hatte. Zu beschreiben, wie ich das genau gelöst habe, würde diesen Beitrag sprengen – und offen gesagt steckt es ohnehin in der Anleitung.

    Falls du also Lust bekommen hast, dieses kleine Stück Indien selbst zu sticken: Das vollständige Stickmuster mit allen Schritten, Farbangaben und Techniken findest du als Anleitung auf Crazypatterns. Es ist gar nicht so schwer, wie es am Ende aussieht – auch wenn ich für meinen Weg dorthin drei Anläufe gebraucht habe.

    Taj Mahal Stickerei

    Und solltest du einmal vor einem Ort stehen, von dem alle schwärmen, und du innerlich schon die Augen verdrehst: Gib ihm trotzdem eine Chance. Manchmal sind es genau die Orte, mit denen man nicht gerechnet hat, die einem am längsten im Gedächtnis bleiben. Bei mir war es ein weißer Marmorpalast, gebaut aus Liebe – und abgeschnittene Türmchen auf einem Familienfoto.