Die Geschichte mit dem Schnuller war für uns sehr langwierig.
Eigentlich wollte ich, dass meine Tochter ihn schon mit zwei Jahren abgibt. Wir haben wirklich alles versucht: den Schnullerbaum, das Abgeben an den Weihnachtsmann, oder an den Osterhasen… nichts davon hat funktioniert. Irgendwann hatte ich das Buch „Hallo, kleine Schnullerfee“ von Ravensburger gekauft und las es ihr immer wieder vor – die Geschichte von der Fee Lulu, die dem kleinen Mats hilft, auch ohne Schnuller einzuschlafen.

Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass es das Buch war, das den Ausschlag gab, um den Schnuller abzugeben. Sie hat das Nuckeln einfach nach und nach reduziert, weil sie älter wurde. Irgendwann brauchte sie den Schnuller nur noch nachts, manchmal wirklich nur zum Einschlafen.
Und dann, vor ein paar Wochen, wollte sie das Buch wieder ganz intensiv vorgelesen bekommen. Mittendrin sagte sie plötzlich, dass sie auch möchte, dass die Schnullerfee zu ihr kommt und ihr ein Geschenk bringt. Ich sagte ihr, sie solle mir einfach Bescheid geben, wenn sie so weit ist. Ein paar Tage hörte ich nichts. Und dann, an einem ganz normalen Abend, war es plötzlich so weit: Heute, hatte sie gesagt, heute gebe ich alle drei verbliebenen Nuckel ab. Und weil es drei Schnuller sind, möchte sie auch drei Geschenke.
Da wollte ich gar nicht diskutieren – das fand ich nur fair. Es gab nur ein kleines Problem: Ich hatte bloß zwei kleine Geschenke daheim. Für das dritte musste ich mir also über den Abend hin etwas überlegen.
Wenn die Idee einmal da ist, muss sie sofort umgesetzt werden
Und genau in diesem Moment passierte das, was bei mir eigentlich immer passiert: Mir schwirrten sofort die Ideen durch den Kopf: Ich könnte doch eine kleine Lulu basteln – die Schnullerfee aus ihrem Buch, in Miniatur. Ein bisschen nervös war ich schon, denn die Zeit war knapp. Also sorgte ich dafür, dass meine Tochter zeitig ins Bett kam, und gegen acht Uhr abends setzte ich mich an den Tisch.
Material hatte ich zum Glück alles da: Filz, Pfeifenreiniger, eine Holzkugel, Nadel und Faden… Ich wusste ziemlich genau, wie ich sie bauen wollte. Nur die Flügel machten mir zu schaffen. Erst versuchte ich es mit Papier, aber das wollte nicht gelingen. Also googelte ich – und stieß auf Instagram auf eine schöne Idee mit Frischhaltefolie und Föhn. Eigentlich war die für große Feenflügel an Kostümen gedacht, gemacht mit Draht und Folie. Ich musste es für meine kleine Lulu abwandeln: Ich schnitt die Flügel aus Papier aus, bemalte sie bunt, streute Glitzer drüber (ganz wichtig!), wickelte Frischhaltefolie darüber und schmolz sie mit dem Föhn so an, dass sie fest wurde. Das Ergebnis war, ehrlich gesagt, eher mäßig. Aber im Gesamtbild fiel das nicht weiter auf. Nach etwa zweieinhalb Stunden war meine kleine Lulu fertig.


Der Morgen danach
Am nächsten Morgen kam der Moment, für den ich das alles gemacht hatte. Meine Tochter fand ihre drei Geschenke – und sie erkannte die kleine Fee sofort. Lulu! Sie war restlos begeistert und hat keine Sekunde daran gezweifelt, dass die Fee aus ihrem Buch sie tatsächlich besucht hatte. Den ganzen Morgen spielte sie mit ihrer Miniatur-Lulu, und sie wünschte sich sogar, dass ich die Fee am Nachmittag mitbringe, wenn ich sie von der Kita abhole.
Genau dieses Gesicht – das war der Grund, warum ich mich abends noch hingesetzt hatte. Ich hätte es einfacher haben können, klar, aber ich wollte ihr diese Freude machen, ich wollte sehen, wie sie strahlt, wenn plötzlich eine kleine Lulu in ihrer Geschenkbox liegt.
Und wenn ich ehrlich bin, ist das ziemlich typisch für mich: Ich bin schnell für eine Idee zu begeistern und muss sie dann auch sofort umsetzen – sonst verliere ich das Interesse wieder. Diese Eigenschaft sorgt zu Hause durchaus für das eine oder andere unvollendete Projekt. Aber in dieser Nacht hat sie etwas Schönes hervorgebracht: einen kleinen Zauber, der genau im richtigen Moment fertig wurde. Und ich war ein bisschen stolz auf mich, dass es (fast) so geworden ist, wie ich es mir ausgemalt hatte.
Ich hoffe, dir hat diese kleine Geschichte gefallen. Vielleicht dient sie dir als Inspiration für deine eigenen kleinen spontanen Projekte, vielleicht zaubert sie dir auch einfach nur ein Lächeln in Gesicht … was es auch ist, ich freue mich, dass ich dir davon berichten konnte. 🙂


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